Dicke Frauen – Dicke Mütter

Skulptur Fatty Venus

»Fatty Venus« von Guiseppe Armani

von Malena Glück

Wir haben mit vielem zu kämpfen als dicke Frauen, mit vielen Vorurteilen und die machen auch nicht vor uns als Mütter halt. Wir wären körperlich ungeeignet Kinder zu bekommen, heißt es, wir wären kein gutes Vorbild und generell nicht in der Lage, die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen, denn schließlich könnten wir das ja nicht mal für uns selbst. Dadurch entstehen Ängste und Unsicherheiten, die weder für Mutter noch für Kind zuträglich sind.

Als dicke Mutter eines einjährigen Sohnes liegt mir dieses Thema besonders am Herzen und ich möchte hier einen Erfahrungsaustausch dicker Mütter anregen. Aufgrund der Themengröße will ich vorab folgende wesentliche Feststellungen vorausschicken, die ein Einstieg sein sollen:

1. Dicke Frauen sind sexuell aktiv

Oft wird uns abgesprochen, körperlich zu sexuellen Tätigkeiten fähig zu sein. Weitgehend herrscht auch der Irrglaube, dicke Frauen bekämen entweder keinen oder nur perverse PartnerInnen. Noch absurder ist auch die Aussage: Dicke Frauen wären für sexuelle Tätigkeiten nicht attraktiv genug. Attraktivität liegt im Auge des Betrachters und der Betrachterin. Am schlimmsten ist die Vorstellung einiger, dass dicke Frauen jeden nehmen müssten, der sich ihrer »erbarmt«. Dicke Frauen haben es überhaupt nicht notwendig, dass sich jemand ihrer »erbarmt« oder sie »duldet«. Dicke Frauen sind sexuell aktiv und zwar mit PartnerInnen, die sie attraktiv finden und respektvoll behandeln.

2. Dicke Frauen sind fruchtbar

Fett ist kein Schutz vor einer Schwangerschaft! Und nein, es ist auch nicht der Wille von Gott oder wem auch immer, dass dicke Frauen keine Kinder bekommen sollen. Dicke Frauen sind körperlich sehr wohl in der Lage schwanger zu werden.

3. Dicke Frauen sind gebärfähig

Sie sind in der Lage ein Kind auszutragen und zu gebären. In der heutigen Zeit wird Schwangerschaft an sich schon von allen Medizinern zu einer gefährlichen Krankheit erkoren und wen wundert es da, dass Frauen mit über 100kg (die ja prinzipiell von Medizinern als wandelnde Zeitbomben betrachtet werden) als besonders hohes Risiko eingestuft werden. Doch dieses Risiko sagt nichts wirklich aus außer, dass sich die Ärzte vor jeder Klage absichern wollen. Dicke Frauen sind gebärfähig. Sie können wie jede andere auch Kinder zur Welt bringen. Ich habe selbst einen Sohn zur Welt gebracht und ich wog in der Endphase der Schwangerschaft 170 kg.

4. Dicke Frauen sind nicht per se moralisch verwerflich

Dicke Mütter sind nicht moralisch verwerflich nur, weil sie als dicke Frauen Kinder bekamen. Es gibt doch tatsächlich Leute, die glauben, ich als dicke Frau dürfte keine Kinder bekommen – wir, dicken Frauen, sollten keine Kinder haben. Einer dicken Frau wird eingeredet nur, weil sie selbst dick ist, wäre sie auch eine schlechte Mutter. Es herrscht der Glaube vor, dass dicke Frauen sich nicht einmal um sich selbst kümmern können (schließlich sind sie ja dick – würden sie auf sich schauen können, wären sie nicht dick), wie sollen sie also auf die armen Kinder schauen. Solange wir »Dicksein« als eine Krankheit oder »Faulheit«, einen Mangel beziehungsweise ausbesserbaren Makel begreifen, wird diese »moralische« Verurteilung nicht aufhören. Hier muss es aufhören, denn dicke Frauen schauen auf sich, sie sind wunderbar so wie sie sind und auch ihre Kinder sind wunderbar so wie sie sind. Dicke Frauen und dicke Mütter haben sich nichts moralisch vorzuwerfen.

Doch all dieser Hass und diese Diskriminierung führen bei vielen dicken Müttern zu Ängsten, sie fürchten dass ihre Kinder auch diesem Spott, dem Hass und der Diskriminierung ausgesetzt werden und wollen das um jeden Preis verhindern. Hier meine Bitte, bitte üben Sie als dicke Mutter keinen Druck auf ihr Kind aus, sondern zeigen Sie ihm wie man sich selbst annimmt und liebt. Zeigen Sie Toleranz für die körperliche Vielfalt. Lehren Sie ihm, dass jeder und jede so aussieht wie er und sie aussieht – dass jeder Körper ein guter Körper ist.

Ich möchte nun alle dicken Mütter herzlich einladen, hier Kommentare zu schreiben und sich miteinander auszutauschen über alle Erfahrungen, Ängste und Meinungen. Dies soll zeigen, dass es da einige dicke Mütter gibt und frau nicht allein ist. Ich bin dankbar für jeden Beitrag.

Malena Glück

Foto: »Fatty Venus«, Skulptur von Guiseppe Armani, Wonderful World by Florence Studio

6 Gedanken zu “Dicke Frauen – Dicke Mütter

  1. Bisher gibt es keinen Beweis, dass Übergewicht zu unfruchtbarkeit führt. Von Magersucht ist das schon länger bekannt. Außerdem kann jemand, der mit sich selbst zurecht kommt (unabhängig vom Gewicht) sicher besser für ein Kind sorgen als jemand der ständig auf Diät ist und jedem Modetrend hinterherhecheln muß.

  2. Schweres Übergewicht ist sehr wohl ungesund, und kann sich negativ auf das ungeborene Kind auswirken (Epigenetik!).
    Typisch egoistische Gesellschaft, wo der eigene Wunsch, Kinder zu kriegen über dem Kindeswohl steht.

    Und nein, ich bin nicht für Diäten und Magersucht. Sondern für eine gesunde Ernährung, genug Bewegung und eine Figur irgendwo zwischen extremem Über- und Untergewicht.

    • Deine Verallgemeinerung ist nicht korrekt – die Erfahrung vieler dicker Frauen zeigt, dass wir sehr wohl „gesunde“ Kinder bekommen können. Und im Gegensatz zeigt die Erfahrung vieler dünner Frauen, dass sie auch „ungesunde“ Kinder bekommen können. Was heißt da wir wären Egoisten? Niemand kann hundertprozentig sicher sein, dass seine Schwangerschaft sicher verläuft und das Kind „gesund“ wird. Das hat nichts mit dem Gewicht zu tun – ich habe genug getroffen im Krankenhaus, die waren dünn und haben tragischer Weise ihr Kind verloren oder schwere Probleme während der Schwangerschaft gehabt. Nach deiner Logik wäre wohl dann jeder Mensch ein Egoist der sich fortpflanzt und damit das Risiko eingeht „ungesunde“ Kinder zu bekommen – wie stehst du zu Menschen mit einer Behinderung? Denkst du die verdienen es nicht zu leben? Denn dahin geht wohl deine Bemerkung, dass wir nur gesunde Kinder zur Welt bringen sollten.

      Zum Thema „Gesunde Ernährung“ – jeder Mensch hat einen anderen Stoffwechsel, jeder Mensch hat eine andere Verdauung und verträgt etwas anderes. Wir sind nicht alle gleich und damit können wir nicht alle mit dem gleichen Essen gleich ausschauen – wir werden nie alle gleich ausschauen und ich bin wirklich froh darüber – ich würde nicht gerne als Kopie von jemanden herumlaufen. Die Fachleute streiten sich was gesund ist und was nicht – und sind sich auch nicht einig darüber – wie kann also irgendwer behaupten er wüsste was für alle gesund ist – wenn es nicht einmal jene wissen die sich wirklich damit auseinandersetzen.

      Bewegung und Übergewicht stehen nicht im Widerspruch zueinander, auch Dicke bewegen sich – auch Dicke können jede Menge Sport betreiben und tun es auch. Aber nur weil man sich viel bewegt – nimmt nicht jeder gleich ab – man kann ein Rezept nicht auf alle Menschen umlegen.

      Und ab wann beginnt denn extremes Übergewicht? Wo soll man die Grenze ziehen und wer bestimmt wo wir die Grenze ziehen? Für den einen sind 100 kg extremes Übergewicht, für den anderen sind es schon 80kg, für andere sind es 200kg oder mehr – wer soll das bestimmen? Und warum sollten wir die Menschen aus unserer Gesellschaft ausschließen, die nicht unserem Bild entsprechen und mehr als das von uns festgelegte extreme Übergewicht haben? Ich denke da eine Grenze zu ziehen wird immer Menschen ausschließen, lasst uns doch einfach offen sein für alle Menschen, egal wie sie aussehen und egal wie schwer sie sind. Ich kann nichts darüber aussagen wie gesund oder ungesund eine Schwangerschaft mit über 200kg ist – aber ich war nicht viel weniger (am Ende meiner Schwangerschaft 170kg) und mein Kind ist gesund.

      • Es ist wirklich erstaunlich was im Namen der Wissenschaft alles für Unsinn verzapft wird. Ich bin dick, war es nicht immer, aber es bewegt sich in dem Schema, das für meine väterliche Seite typisch ist. Was man für Krankheiten bekommt hängt nicht an sich davon ab ob man dick oder dünn ist. Es hängt zum großen Teil davon ab was du für eine genetische Disposition hast. Und was extrem dick ist oder nicht, ist gesellschaftsabhängig. Im arabischen Raum heisst es: eine Frau ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne. Das Schönheitsideal ist je nach kulturellem Hintergrund ein anderes. Der Schlankheitswahn unserer westlichen Welt ist eine krankhafte Art des Kontrollwahns. Im übrigen: ich habe drei Kinder, die mittlerweile erwachsen sind. Bei meiner Tochter zeigt sich mittlerweile eine Insulinresistenz aufgrund der sie zum zunehmen neigt,sie ist aber nicht dick. Wollen wir jetzt hergehen und alle Menschen ausrotten, die aufgrund ihrer vererblichen Disposition verschiedene Erscheinungsbilder zeigen? Fangen wir mit Dicken an, gehen wir weiter mit den Allergikern, den Leuten die sonst irgendwelche Handicaps haben und was haben wir dann? Wir bringen uns u.U. um große Talente. Das hängt nämlich nicht am Äußeren. Auch wenn es in den Modelshows und in Shows wie: „Deutschland sucht den Vollidioten“ anders vermittelt wird. Jeder Mensch ist auf seine Art in Ordnung. Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass alle Menschen gleich sind, dann hätte er eine ISO Norm dafür geschaffen. In diesem Sinne, nicht unterkriegen lassen.

      • Hmm, interessante Idee. Dicke sind also Egoisten wenn sie Kinder kriegen (ist ja in unserer Gegend sowieso der Fall, dass zuviele Kinder auf die Welt kommen und wir keine Zuwanderung brauchen um das System aufrecht zu erhalten). Aber sag mal willst du jetzt bei allen Frauenärzten Informationsblätter auflegen lassen.
        So in etwa: “ Sind sie Übergewichtig, leiden sie an Farbenblindheit, haben sie Diabetes (trifft auch Dünne – ob man es glaubt oder nicht), haben oder hatten Personen ihrer Familie Krebs, Depresionen oder Tromboseneigung. Seien sie kein Egoist – bekommen sie keine Kinder!“
        Es gibt einige wirklich vererbbare Krankheiten (z.B. Farbenblindheit, Bluterkrankheit,..) bei denen es gewisse Wahrscheinlichkeiten gibt wie und auf wen sie vererbt werden. Das hängt davon ab an welchem Chromosom sie liegen und ob sie rezessiv oder dominant vererbt werden. Aber auch da liegt normalerweise die Wahrscheinlichkeit eher niedrig wenn nicht beide Elternteile erkrankt sind. Bisher sind mir keine Studien bekannt die einen wirklichen zusammenhang zwischen einem kranken Kind und Übergewicht zeigen. Sehr wohl gibt es Studien die einen indirekten Zusammenhang zeigen (Übergewicht -Diabetes- krankes Kind) aber die nicht allzu ernst zu nehmen sind, da das Übergewicht auch eine folge anderer Krankheiten sein kann und eine ungefähr gleiche Studie mit schlanken Diabetikern ungefähr das selbe Ergebnis hatte. Daraus lässt sich dann wohl ableiten, dass das Übergewicht nicht der ausschlaggebende Faktor war.
        Tatsächlich gibt es Familiäre Neigungen zu einer bestimmten Körperform, aber eben auch zu Tromboseneigung, Krebswahrscheinlichkeit, Depresionen und hundert anderen Dingen. Sogesehen dürfte kaum mehr wer Kinder bekommen.
        Viel entscheidender als ob die Mutter während der Schwangerschaft übergewichtig ist oder nicht, sind Ernährung und Mineralstoffzufuhr. Weitaus mehr Schäden an Ungeborenen ergeben falsches Verhalten wie Rauchen, Alkoholkonsum oder auch Drogen und Medizinanwendung während der Schwangerschaft. Eine Mangelernährung hat hier eindeutig mehr Nebeneffekte auf einUngeborenes als einfach nur das Körpergewicht der Mutter.

  3. ich finde es auch wirklich erstaunlich, wie wir uns auf unsere äußere Erscheinung reduzieren lassen. Ist es wirklich wichtig, ob jemand dick, dünn, groß, klein oder sonst was ist? Wichtig ist doch andere Eigenschaften. Es nützt nichts wenn ich ausschau wie ein Topmodel, habe aber keine Geduld mit meinem Kind oder schädige es durch Genussgifte oder durch Vernachlässigung. Wir sind wirklich eine Gesellschaft von Augentieren geworden. Nur die Optik gilt. Zu deinem Kommentar Waschbär: in punkto Diabetes gibt es tatsächlich eine Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Schäden und Diabetes in der Schwangerschaft. Aber man muss auch unterscheiden welcher Diabetes. Es gibt nämlich 2 verschiedene Arten. Tpy 1 ist eine Autoimmunerkrankung, die jeden treffen kann, egal ob dick oder dünn. Typ 1 Diabetiker sind oft sehr schlank, was aber auch an einer sehr schlechten Stoffwechseleinstellung liegen kann. Der Diabetes schmilzt nämlich buchstäblich das Fett aus dem Körper. Die Menschen sind dann mangelernährt obwohl sie Essen zuführen, weil durch den Mangel an Insulin die Nährstoffe nicht mehr in die Zellen kommen können. Sie verhungern praktisch am gedeckten Tisch. Wenn also ein Diabetiker anfängt massiv abzunehmen ist höchste Alarmstufe geboten. Typ 2 hat seine Ursache darin, dass der Körper nicht genug Insulin produziert oder dass zuviel Kohlehydrate z.B. zuckrige Limo, Schoki, oder andere leer Kalorien zugeführt werden. Es ist eine Wohlstandskrankheit, die immer häufiger vorkommt. Als die Menschen sic noch nicht so üppig ernähren konnten, hat es das nicht so häufig gegeben. Auch Übergewicht kann dazu führen. Nur: du brauchst dafür die entsprechende genetische Disposition, ohne die ist es egal wie dick du bist oder was du isst. WEnn du allerdings weisst, dass es in deiner Familie Typ 2 Diabetes gibt, dann solltest du den Konsum von Süssigkeiten oder zuviel Kalorien einschränken und dein Gewicht auf einem normalen Level halten und zwar nicht um irgend einem Schönheitsideal oder der Vorstellung von anderen Menschen zu entsprechen, sondern um deiner eigenen Gesundheit willen. An den Spätfolgen von Diabetes zu sterben ist nicht witzig. Blindheit, amputierte Füsse und Nierenversagen auch nicht. Zur Info: ich bin selbst Typ 1 Diabetikerin und habe die Krankheit während meiner 3.Schwangerschaft bekommen. und ich habe in miener väterlichen Familie viele Typ 2 Diabetiker. Einige davon habe ich an den Spätfolgen sterben sehen. Also differenzieren. Genetische Disp. zu Diabetes: mit den Kohlehydraten aufpassen und aufs Gewicht achten. Keine genetische Disposition: egal. . Aber trotzdem: zu sagen, dass Übergewicht generell schlecht für das Baby ist stimmt nicht.

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