Lizenz zum Essen von Gunter Frank

Eine Buchrezension von Malena Glück
Gunter Frank: Lizenz zum Essen

Das Buch »Lizenz zum Essen«, verfasst von einem deutschen Arzt, beschäftigt sich mit der körperlichen Vielfalt, mit den Ernährungslügen und mit der Diskriminierung »Übergewichtiger«, also dicker Menschen.

Dr. Gunter Frank bedient sich zweierlei, fiktiver Gestalten (Frau Rundlich, Herr Hager) um die medizinischen Grundlagen, welche er aus seiner mehr als zehnjährigen Erfahrung als Mediziner gewonnen hat, auf eine leicht verständliche Weise näher zu bringen. Dabei versucht er vor allem Vorurteile, die von der Gesellschaft, den Medien, den Politikern/Politikerinnen, Ernährungswissenschaftlern/Ernährungswissenschaftlerinnen und Ärzten/Ärztinnen an dicke Menschen herangetragen werden, auszuräumen. Er erklärt, dass die medial verbreiteten Vorurteile wie Faulheit, Undiszipliniertheit, Verfressenheit, etc. keine zugrundeliegenden, wissenschaftlich ernst zu nehmenden Studien aufweisen können. Er deklariert dieses »angebliche Wissen« als nicht bewiesen und unhaltbar – er erläutert die Zusammenhänge von Genen, Ernährung, Stress unter einer wesentlichen Bedingung: Vielfalt.

So beschreibt er auch, dass jeder Mensch anders ist – jeder Körperbau anders ist und somit auch jeder etwas anderes braucht. Er spricht sich gegen Generalisierungen und Allgemeinheitsdenken aus, gegen jegliche Norm. Denn diese Norm kann nichts über den individuellen Menschen aussagen, nichts über seine individuellen Bedürfnisse. So hat jeder Mensch sein individuelles Wohlfühl-Gewicht, seine individuelle Wohlfühl-Ernährung.

Der Ansatz dieses Arztes möchte vor allem die Lebensqualität und die Lebensfreude seiner PatientInnen erhöhen. Ihm geht es darum, dass die Dickendiskriminierung, die Gewichtsdiskriminierung aufhört – da sie die Lebensqualität und die Lebensfreude aller einschränkt. Denn von dieser Diskriminierung sind alle betroffen – wer fürchtet sich heute nicht dick beziehungsweise gar zu dick zu werden? Diese Angst, dieser Druck, dieser Stress sind alles andere als förderlich für Lebensfreude und Lebensqualität.

Es war ein Genuss und eine echte Freude dieses Buch zu lesen. Es liefert gute Argumente um gegen die gepredigte, öffentliche Meinung zu rebellieren und seinen eigenen Körper, sein eigenes Bauchgefühl, wieder wertzuschätzen. Es wäre für jeden Arzt und jede Ärztin ein guter Anfang sich der Lebensrealität zu stellen und die eigene Position zu überdenken. Ich denke bei so einer Einstellung würden wieder mehr dicke Menschen zum Arzt, zur Ärztin gehen. Und ich finde genau das ist anzustreben! Wer näheres wissen möchte, dem sollte es wert sein dieses Buch zu lesen, es ist wahrlich eine Bereicherung und eine Bestätigung.

Ebenfalls interessant ist die dazugehörende Internetseite, auf der sich ein Antidiskriminierungsformular und Beschwerdebriefe an Deutschlands größte Krankenversicherung, die AOK, befinden: www.lizenz-zum-essen.de

Gunter Frank
Lizenz zum Essen
Stressfrei essen, Gewichtssorgen vergessen
Piper Verlag, München, 2009
336 Seiten, broschiert
ISBN: 9783492253703

4 Gedanken zu “Lizenz zum Essen von Gunter Frank

  1. Ich habe mir diese Rezension in Schönschrift ausgedruckt und in meiner Küche aufgehängt. Ich bin sehr dankbar dafür.

  2. Ich empfand schon den Besuch seiner Homepage als große Erleichterung. Diese Erleichterung hat sich ausgebreitet als ich sein Buch gelesen habe (okay, mit Namen wie „Frau Rundlich“ und „Herrn Hager“ musste ich mich erst anfreunden). Ich habe dann vor 3 Jahren noch sein Seminar in Heidelberg besucht, schön wenn einem mal mit Verstand und Wohlwollen begegnet wird. Er empfahl ein Buch von Maja Storch, „Machen Sie doch was sie wollen“ (auch hier etwas kindliche Begrifflichkeiten wie das Würmli zuerst befremdlich, aber inhaltlich eben sonst klasse), seitdem hat sich bei mir eine große Gelassenheit eingestellt, zumindest was mein Dicksein angeht… och, das färbt ab.

    ina

  3. mein Chef hatte übrigens beim Essen von dem Buch erzählt. Jaja, *hahaaa*!
    Gerade erzählte er, dass er und sein Kollege bei einem Bowlingabend haushoch gegen die Kollegen der anderen Abteilung gewonnen haben. er meinte dann noch am erstauntesten seien wohl alle gewesen, dass ausgerechnet der Dicke gewonnen habe. Da kommen bei mir zwei Gefühle hoch. Zum einen „sollen sie doch ruhig staunen und ihre Vorurteile und Ängste gefährdet sehen“ und dann, dass es aber auch bei ihm sehr stark verankert ist. Mit Sicherheit hat niemand sein Gewicht erwähnt. Ist bei seinem Charisma auch völlig nebensächlich (wäre es sonst auch), daran verschwende ich keinen Gedanken wenn ich mit ihm zusammen bin und das ist ooooft. Aber es steckt schon sehr in ihm drin, es immer zu vermuten. Kenne ich von mir selbst, ich erzähle Leuten die es gar nicht wissen wollen, dass ich die zwei Kilometer zur Arbeit jeden Morgen laufe und abends zurück. Wie dämlich, am allerschönsten ist es nämlich für mich, ich laufe 20 Minuten und sehe so viele kleine Dinge, die mir Spaß machen und die sich über die Monate verändern; mit dem Auto brauche ich auch 10 (hektische) Minuten und dann eier ich noch ne Viertelstunde ums Haus und suche nen Parkplatz. Das ist doch schräg, dass man wenigstens gut dastehen möchte wenn man schon die Dicke ist. Die Gelassenheit macht sich breiter und doch ist der Druck nicht weg, schon gar nicht gegenüber anderen. Welchen anderen überhaupt?

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