Zehn Regeln für dicke Mädchen

von Dianne Sylvan

aus dem Englischen übersetzt von Neelke Wagner

Body Joy

Body Joy!

Wenn ihr mich und meine Arbeit noch nicht kennt, wisst ihr nicht, dass ich vor ein paar Jahren ein Buch über Körperbilder und Spiritualität geschrieben habe. Das ganze Thema ist sehr wichtig für mich, auch wenn ich in letzter Zeit nicht viel darüber geschrieben habe, weil ich so viele andere Dinge zu tun hatte. Aber dann bekam ich Kabelfernsehen und die ganze alte Wut flammte wieder auf.

Wisst ihr, ich bin dick. 300 großartige Pfund (136 Kilo) von meinem Doppelkinn bis zu meinen bezaubernden Zehen. Diesen Umstand kann ich nicht bestreiten: Mein Fett ist da. Es spricht. Es sagt: »Ich bin liebenswert und wertvoll, so, wie ich bin, und zur Hölle mit dir, wenn du das anders siehst!« Es hat mich einen Haufen Zeit und Mühe gekostet, von der Abwertung meines Körpers loszukommen und mich mit der Idee anzufreunden, dass Menschen wie auch immer aussehen können und dass das gut ist so. Und dann lese ich zufällig irgendjemandes Kommentar in einem Blog, oder einen Artikel, der mein Blut zum Kochen bringt, und dann erinnere ich mich an all die Menschen, die in einem Zustand der Selbstablehnung, Selbsterniedrigung und Selbstzerstörung leben, nur weil sie dick sind.

Für diese Mädchen und Frauen und für alle von uns, die einen Auffrischungskurs in Sachen Akzeptanz des eigenen Körpers brauchen, habe ich diese Zehn Regeln geschrieben.

1. Du bist nicht verpflichtet dazu, dünn, gesund oder schön zu sein!

Schlimm genug, dass unsere Kultur Nahrungsmittel mit Moralurteilen belegt: Sellerie ist »gut«, Donuts sind »schlecht«. Doch inzwischen ist sogar Gesundheit ein Ausdruck deiner moralischen Stärke. Da ist keine Rede mehr von den Unterschieden zwischen Reich und Arm und den Folgen, die das für den Zugang zu frischem, nicht-industriellem Essen und dem Zugang zu Sportkursen hat. Auch genetische Vorbedingungen, psychische Krankheiten oder Dinge wie Charakter oder Umgang mit Anderen bleiben unerwähnt. Nein, dünne Menschen werden mit gesunden Menschen und damit »guten« Menschen gleichgesetzt.

Diese Idee wird jetzt manche vielleicht schockieren: Du schuldest niemandem eine gute Gesundheit. Du allein bestimmst über deinen Körper und das bedeutet, niemand außer dir ist für ihn verantwortlich.

Nun sind mit unserer Nahrungsversorgung sehr große Probleme verbunden wie etwa Arbeiter_innenrechte, Tierrechte oder Umweltzerstörung, aber ich kann nicht für andere Menschen entscheiden, was und wie sie essen sollen und ich will auch nicht, dass andere das für mich tun. Die Missionierung für irgendeine Art von Diät- oder Gesundheitsplan ist anmaßend und wird dir kaum Freund_innen machen – vorzuleben, dass deine Art zu leben glücklich macht ist eine sehr viel effektivere und nachhaltigere Art, andere für diesen Weg zu gewinnen.

Lasst uns annehmen, fett zu sein wäre moralisch verwerflich. Gut. Lasst uns annehmen, es sei das Schlimmste was es gibt und jedes Mal, wenn ein dickes Mädchen ein Stück Kuchen isst, tötet Gott ein kleines Kätzchen. Selbst wenn – wie sollen Scham und Feindseligkeit dieses Problem lösen? Wie sollen Diskriminierung und Selbsthass Menschen gesünder machen? Offensichtlich hat das bisher nicht funktioniert, sonst würde die Zahl übergewichtiger Menschen rasant abnehmen – oder nicht, wenn man sich anschaut, wie wir behandelt werden? Hat Hass jemals irgendjemanden zu einem besseren Menschen gemacht? Abgesehen davon, wie willst du allein dadurch, dass du jemanden anschaust, ihren Gesundheitszustand beurteilen? Es gibt Millionen kranker dünner Menschen, aber sie werden automatisch für gesünder gehalten als ich, nur wegen meiner Größe.

Dann gibt es da noch diese Idee, dass unser Körper nur so viel Wert ist, wie andere ihm zugestehen. Aber weißt du was? Mein Wert als Frau bemisst sich nicht daran, ob Männer mit mir ficken wollen oder nicht!

Sogar in heidnischen Kreisen, wo man Körper-Akzeptanz voraussetzen möchte, hört man immer häufiger dieses seltsame dickenfeindliche Argument »Du verbrauchst zu viele Ressourcen! Mutter Erde ist traurig, weil du fett bist!«. Von all den Umweltkatastrophen, die uns heute beschäftigen, verfällst du gerade deswegen in einen hysterischen Ausbruch? Du glaubst wirklich, mein dicker Hintern stellt für die Erde ein größeres Problem dar als die großen Ölkonzerne? Du solltest deine Prioritäten überdenken, Die-mit-den-Einhörnern-tanzt.

2. Erzähl keinen Scheiß über deinen Körper!

Ganz abgesehen davon, dass ein Gespräch dadurch eine unangenehme Wendung bekäme – würdest du eine_r Freund_in (oder sonst jemandem) erlauben, schlecht von dir zu sprechen? Warum erlaubst du es dir dann selbst?

Diese Regel ist schwer zu befolgen, denn die Herabsetzung des eigenen Körpers ist nicht nur die Norm, sondern sie wird auch erwartet. Eine Gruppe von Frauen muss quasi über Diäten und Schuhe reden und darüber, wie unglaublich sie auf Joghurt stehen. Ich würde aber lieber meinen Verwandten dabei zuhören, wie sie sich über Obama unterhalten als meinen Kolleg_innen, wenn sie Kalorien zählen. In solchen Situationen kannst du:

    a) das Thema wechseln
    b) versuchen, deinen Gesprächspartner_innen eine andere Sicht der Dinge nahe zu bringen, indem du dich positiv über deinen Körper äußerst (tu das nur, wenn du Lust auf eine Diskussion hast)
    c) wenn du völlig genervt bist, mach dir einen Spaß daraus, zum Beispiel das Wort »Kalorie« durch das Wort »Ball« zu ersetzen. Es ist sehr viel lustiger, Menschen dabei zuzuhören, wie sie über gute Bälle und schlechte Bälle und die Frage, ob sie genug Bälle kriegen oder nicht, diskutieren.

Bevor du dich über deinen Körper äußerst, überlege dir, ob du das auch zu deiner liebsten besten Freundin sagen würdest. Wenn die Antwort ja ist, wäre ich überrascht, wenn du überhaupt Freund_innen hast; du bist dir selbst sicher keine Freundin.

3. Erzähl keinen Scheiß über anderer Leute Körper!

Wenn du willst, dass die Welt alle Größen und Formen weiblicher Körper lieben lernt, die es gibt, dann musst du bei dir selbst anfangen. Es macht solchen Spaß zu lästern und zu klatschen, nicht wahr? Es ist das, was von Frauen erwartet wird! Wir müssen uns gegenseitig fertigmachen in der Konkurrenz um den ach so seltenen, ach so schwer fassbaren Männer-Penis!

Ich meine damit nicht nur abfälliges Reden über Fett. »Geh ein Sandwich essen!« ist genauso gemein wie »Mach eine Diät, Dickwanst!« Ebenso wenig wie andere Leute an deinem Körper etwas über dich und deine Gesundheit oder deine Geschichte ablesen können, ebenso wenig kannst du über eine dünne Person wissen und darüber, was sie in ihrem Leben durchgemacht hat. Jeder Mensch hat Probleme, und schöne Menschen stecken in den gleichen Schlamasseln wie alle anderen Menschen auch.

Die Regeln 2 und 3 sind besonders wichtig, wenn Kinder oder Jugendliche im Raum sind. Lass deine Tochter, deine Nichte oder deine jüngere Freundin den Teufelskreis der Scham nicht fortsetzen. Beende ihn hier und jetzt!

4. Zieh Kleidung an, die dir passt!

Egal, welchen Stil du pflegst, wie viel Geld du für Klamotten ausgeben kannst oder was du über dein Fett denkst: in Kleidung, die dir zu eng oder zu weit ist, wirst du dich unwohl fühlen und dieses Unwohlsein wird man dir ansehen. Es ist nicht leicht, selbstsicher zu wirken, wenn man die ganze Zeit an der Unterhose herumzerrt.

Was auch immer du gerne trägst, finde die Größe, die dir passt – das heißt, du kannst dich in deiner Kleidung bewegen, dich hinsetzen, vorbeugen oder laufen, ohne dass du alle drei Schritte etwas zurecht ziehen musst. Ich sage nicht, dass es einfach sei, passende und komfortable Kleidung zu finden, wenn man dick ist – im Gegenteil, es ist ein Alptraum! Trotz alledem wird behauptet, dicke Menschen würden angeblich die Überhand gewinnen – wir müssten ja alle nackt herumlaufen, weil wir keine scheiß Kleidung finden können. Das ist alles Teil dieser »Wir werden dich dünn kriegen, indem wir dir dein dickes Leben schwer machen«-Sache, die lächerlich ist und nicht funktioniert. Wenn du ein Kleidungsstück findest, das dir gefällt, kauf gleich mehrere davon, wenn das geht. Ich liebe schwarze T-Shirts mit V-Ausschnitt. Als ich mal eins in einer guten Baumwollqualität in einem Schlussverkauf erwischte, habe ich gleich fünf davon bestellt.

5. Fordere von Ärzt_innen eine bessere Behandlung!

Ärzt_innen unterliegen den gleichen Einflüssen der Dickenfeindlichkeit, wie du sie täglich erlebst. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass du – egal wie es um deine Gesundheit bestellt ist – irgendwann den Rat bekommst abzunehmen. Manche Ärzt_innen haben dabei ein akzeptables Vorgehen, manche nicht – und in der Tat spielt hier mehr der Ton die Musik als alles andere, ganz absehen davon, dass ein solcher Rat von einer Kardiologin weniger lächerlich ist als von einem Allergologen. Solange ein_e Mediziner_in sich um deine Belange kümmert und das Thema nicht auswalzt, ist das weniger schlimm als jemand, der_die dir die Behandlung verweigert, solange du nicht abnimmst. (Ja, das passiert tatsächlich. Wenn du das nicht glaubst, bist du vermutlich nicht dick. Von den Horrorgeschichten, die mir fette Menschen vom Gesundheitssystem erzählt haben, kann dir nur schlecht werden.)

Das Geschwätz davon, dass fettleibige Menschen das Gesundheitssystem belasten, ist Unsinn – die Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen kostet Millionen und niemand käme auf die Idee zu sagen, wir sollten Krebspatient_innen sterben lassen, um Geld zu sparen. Da viele dicke Menschen in unserem großartigen Gesundheitssystem ohnehin nicht versichert sind, können sie eh nicht mit angemessener Behandlung rechnen. Solche Geschichten dienen unserer Verwirrung, damit wir weiter gegen uns selbst kämpfen und unsere Abneigung gegen uns selbst weiter die Taschen reicher Leute füllt.

Denk daran, dass deine Ärzt_innen für dich arbeiten. Sie erbringen eine Dienstleistung. Es gibt Tausende von ihnen, und wenn deine_r ein Trottel ist oder dir mit diesem »Alle Ihre Gesundheitsprobleme würden verschwinden, wenn Sie nur abnähmen«-Blödsinn kommt, dann hau ab und geh woanders hin. Du kannst ihm_ihr auch folgende Frage stellen, wenn sie_er versucht dir unterzujubeln, dass deine Halsschmerzen, dein Rückenleiden oder die Axt in deinem Schädel auf dein Gewicht zurückzuführen sind: »Wenn ich dünn wäre, welche Behandlung würden Sie mir empfehlen?«

Im Ernst: Statistiken besagen, dass Gewichtsabnahme langfristig gesehen zu 95 Prozent misslingt. Wie können Ärzt_innen überhaupt mit einer Empfehlung durchkommen, die gerade einmal 5 Prozent Heilungschancen verspricht? Dennoch wird eine Diät uns immer noch als Allheilmittel verkauft. Wisst ihr, welche Behandlung ähnliche Erfolgsaussichten hat? Der Aderlass, der die bösen Geister aus dem Körper holen soll.

Du verdienst Respekt und Aufmerksamkeit von Ärzt_innen, Krankenpfleger_innen und Therapeut_innen, unabhängig von deinem Körperumfang. Wehr dich gegen Beleidigungen und herablassendes Verhalten. Und, ganz wichtig: Bezahl keinen Pfennig dafür.

6. Finde deine Art, dich zu bewegen

Wie ich sagte: Du bist nicht verpflichtet dazu, gesund zu sein. Aber wahrscheinlich bist du das gerne – schließlich gibt es dieses komische Bedürfnis von uns Menschen, nicht zu früh zu sterben und uns möglichst nicht scheiße zu fühlen. Während die Verknüpfung von Dickleibigkeit mit Krankheit bestenfalls schwammig bleibt – Studien zeigen, dass aktive übergewichtige Menschen im Durchschnitt länger leben als sich wenig bewegende dünne – wirst du es schwer haben zu beweisen, dass regelmäßige Bewegung nicht gut für dich ist. Unsere Körper sind für unseren modernen Lebensstil nicht gemacht, was sich in unserem Körpergefühl zeigt. Sport ist gut für Körper, Geist und Seele und er kann Spaß machen, wenn du den richtigen findest.

Ich rede jetzt nicht von dieser Art Sport, der nach dem Motto »Trainiere bis du kotzt« funktioniert. (Jede_r würde mir zustimmen, dass Erbrechen ein Zeichen von Krankheit ist und kein Ehrbeweis, richtig?) Was ich meine, ist jeden Tag aufzustehen und ein bisschen herumzuhüpfen. Dafür gibt es Möglichkeiten auch für Menschen mit Übergröße! Lauf zum Beispiel ein paar Mal ums Haus. Leg deine Lieblingsmusik ein und tanze dazu. Ich weiß, wie schwierig es ist draußen Sport zu treiben, wenn du dick bist. Abgesehen von körperlichen Beschränkungen, die du vielleicht hast, sind viele Menschen einfach Arschlöcher. Obwohl wir erst einmal abnehmen sollen, damit wir gesellschaftlich akzeptabel sind, macht man sich über uns lustig, sobald man uns schwitzen sieht. Doch auch wenn du weder in ein Sportstudio gehen willst (der Herr weiß, ich will es nicht!) noch Sportkurse besuchen, versuch dich mehr zu bewegen. Du wirst dich besser fühlen!

Nur fang bloß nicht damit an in der Erwartung abzunehmen, sondern bewege dich, um das Leben mehr zu genießen. Bewege dich, weil dir Tanzen Spaß macht oder das Football-Spiel mit deinen Kindern. Vielleicht wirst du ein paar Kilos verlieren, wenn du dich mehr bewegst, vielleicht auch nicht – auf jeden Fall wirst du dich besser fühlen und mehr Freude haben.

7. Stehe für dich ein!

Von dicken Leuten wird erwartet, dass sie jede Art von Beschimpfung hinnehmen, einfach weil etwas mit uns nicht stimmt, wovon jede_r, wirklich jede_r weiß, wie es zu beheben wäre. Man hält uns für blöd, so als hätten wir unser ganzes Leben in einer Kuchenhöhle verbracht und nur auf eine_n beliebige_n Fremde_n gewartet, die oder der uns das Evangelium der Magerkeit verkündet.

»Du meine Güte! Kalorien rein und Kalorien raus! Das ist es? Das ist alles? Oh lieber Jesus, ich bin geheilt! Warum hat mir das vorher niemand gesagt?«

Das musst du dir nicht gefallen lassen. Das hast du nicht verdient. Du bist ein menschliches Wesen, dem Liebe und Respekt gebührt. Das werde ich dir so lange sagen, bis du mich hörst.

Selbst wenn du nicht schlagfertig genug bist, um auf jede Beleidigung eine angemessene Antwort zu geben, machst du schon eine Menge wett, wenn du dem Arschloch einfach in die Augen schaust und sagst: »Wie bitte?« Die meisten Großmäuler werden ziemlich klein, wenn man sie öffentlich herausfordert. Stell sie ins Rampenlicht und sieh zu, wie sich ihre Macht in Luft auflöst. Starke Frauen jagen solchen schwachsinnigen Typen eine Heidenangst ein.

Ich selbst hatte mehr Ärger mit Fremden als mit meiner Familie, aber Verwandte und Freund_innen können einer das Leben noch schwerer machen, einfach weil man davon ausgehen muss, dass sie es gut meinen und nur dein Bestes wollen. Wie gesagt, alle wissen besser, was gut für dich ist als du. »Tante Gertrud, es ist wirklich lieb dass du dir Sorgen um meine Gesundheit machst, aber das ist nicht nötig. Ich bin gesund und bin zufrieden mit meinem Aussehen. Akzeptiere bitte, dass ich keine Lust habe über mein Gewicht zu diskutieren.«

Sehr oft versuchen Fremde, ihre Grausamkeit als Mitgefühl zu tarnen. Fall nicht drauf rein! Sie sagen nicht, »Ich mache mir Sorgen um deine Gesundheit, liebe Unbekannte, weil ich ein_e engagierte_r Bürger_in bin!«, sondern »Ich finde deinen Körper unakzeptabel und du solltest dich schämen, weil ich verunsichert bin!«

Eine verbreitete psychologische These lautet, dass dicke Menschen sich vor etwas »schützen« und dazu ihren Körper benutzen. Wir verdrängten damit unsere Gefühle, linderten unseren Schmerz oder Ähnliches. Es kann durchaus sein, dass das für manche Leute zutrifft, aber davon auszugehen, dass es bei jeder dicken Person der Fall ist, ist genauso unverantwortlich wie zu sagen, jedes physisches Leiden käme vom Dicksein. Wobei – mir dient mein Fett tatsächlich als großartige Schutzschicht. Es hilft mir dabei, Arschlöcher aus meinem Leben heraus zu halten.

8. Kümmere dich um dein Fett!

Tu nicht so, als ob du dünn wärst, wenn das nicht stimmt. Nimm dir Raum! Das ist OK. Du kannst eh niemanden an der Nase herumführen, indem du den Bauch einziehst.

Wir neigen dazu, einen wichtigen Bereich des Dickseins zu vernachlässigen: die Fett-Hygiene. Dieses dumme Vorurteil, fette Menschen stänken, kommt von einigen wenigen Leuten, die nicht auf die Bedürfnisse ihres Fetts achten. Bestrafe dich nicht selbst für dein Fettsein, indem du deinen Körper wie Dreck behandelst!

Wasch dein Fett! Noch wichtiger ist, dass du es trocknest. Wenn du aus der Dusche kommst, achte darauf, dass du dich überall abtrocknest – unter deinen Fettrollen, zwischen deinen Brüsten, zwischen deinen Beinen. Pass auf, dass du deinen Hintern richtig abwischst! Fall nicht der »Hinternfeuchte« zum Opfer. Mangelnde Hygiene hat nichts mit dem Körperumfang zu tun, aber wenn du mehr Fleisch dein eigen nennst, dann brauchst du auch mehr Zeit, um dich darum zu kümmern. Daran ist nichts Schlimmes. Im Gegenteil, du ersparst dir damit eine Menge Unbequemlichkeiten. Wenn du vom Schwitzen an heißen Tagen Hautausschlag bekommst, dann benutze Puder oder versuche Sportkleidung zu finden, die viel Flüssigkeit absorbiert. Wenn ich einen Rock anziehe, was selten vorkommt, dann trage ich darunter immer Strumpfhosen, damit ich keine Hitzepusteln an meinen Oberschenkeln bekomme.

Wenn dein Stuhl zu schmal ist, kauf dir einen größeren. Wenn der Sitz im Kino dich einquetscht, dann klapp die Armlehne hoch und setz dich auf zwei. Frag im Flugzeug nach einer Verlängerung für den Sicherheitsgurt! So etwas gibt es auch für Autos und normalerweise kostenfrei erhältlich, weil es einen Teil der Sicherheitsausrüstung darstellt.

Berühre dich selbst! Du bist nicht ekelig. Wenn du Yoga machst und dir bei einer Übung dein Bauch im Weg ist, dann nimm ihn und schiebe ihn aus dem Weg. Das meine ich ernst! Die meisten Leute denken nicht darüber nach, aber es hilft. Fass dein Fleisch an. Es ist deins. Du hast es wachsen lassen, es gehört dir. Hab keine Angst vor deinem eigenen Körper! Weil uns diese Scham wegen unseres Körpers mitgegeben wurde, trauen wir uns oft nicht, ihn wirklich kennen zu lernen. Deshalb passiert es oft, dass wir Probleme lange nicht bemerken, sondern erst, wenn sie wirklich schlimm geworden sind.

9. Es gibt Schlimmeres auf der Welt als dick zu sein

Ich habe immer wieder dünne Frauen Sachen sagen gehört wie: »Gottseidank bin ich nicht dick. Ich würde mich umbringen!« oder »Zuzunehmen wäre das Allerschrecklichste!« Echt? Schrecklicher als Kindesmissbrauch, Genozid, Homophobie oder eine Allergie gegen Schokolade? Schrecklicher als ein Arschloch zu sein? Schrecklicher als Menschen wegen ihres Aussehens wie Abfall zu behandeln? Ist fett sein übler als ein bigotter Dummkopf zu sein? Schlimmer als ein_e Mörder_in? Als kleine Katzen ertränken? Als Amöbenruhr? Als einen geliebten Menschen zu verlieren? Als der Verlust eines Beins?

Selbsthass ist auch ganz schön furchtbar. Glaube mir, er ist sehr viel grausamer als dick zu sein.

10. Erwarte nicht, dass du dich ab jetzt an jedem Tag deines Lebens großartig fühlen wirst.

Dieser Umstand hat mich hart getroffen. Auch nachdem ich ein ganzes Buch über Körperbilder geschrieben hatte und trotz all meiner Bemühungen kämpfe ich immer noch mit dem Spiegel. Auch wenn ich jeden einzelnen Punkt dieser Liste kenne, gibt es immer noch Tage, an denen es mir schwer fällt, mich zu lieben.

Wenn man sich die Welt anschaut, in der wir leben, ist es eigentlich ein revolutionärer Akt, sich selbst zu lieben, selbst nur für eine Stunde. Angesichts dieses Dauer-Bombardements mit Aussagen wie »Du bist nicht gut genug« ist es ganz normal, wenn man ab und zu schlecht über den eigenen Körper denkt. Verurteile dich nicht dafür, sondern bring dich ganz vorsichtig auf andere Gedanken, indem du dich daran erinnerst, dass du sehr viel mehr bist als eine Zahl auf einer Waage und mehr als nur ein Körper.

Wenn du deine Selbstanschuldigungen jeden Tag herausforderst, wirst du deine innere Kritikerin mit der Zeit zum Schweigen bringen. Das braucht lange und erfordert ständige Aufmerksamkeit und Mühe, aber du wirst dafür mit einem glücklicheren und dadurch oft auch gesünderen Leben belohnt. Jede Reise hat ihre Hindernisse und manchmal wirst du auch auf die Nase fallen. Auch Erwachsene können sich noch wie Kleinkinder fühlen und benehmen.

Hier sind Bestätigungen sehr wichtig. Schau dir jeden Tag in die Augen und versichere dir, dass du dich weigerst, dein Leben anhand deines BMI zu bewerten. Sage dir, dass du geliebt wirst – und das wirst du, ich versichere es dir – und dass du akzeptiert wirst, genau wie du bist. Selbst, wenn du nicht jeden Tag stark genug bist, das zu glauben, ist es deshalb nicht weniger wahr, und diese Wahrheit wird bereit stehen, wenn du dich aus dem Fenster lehnst, um sie zu greifen.

Denke daran, du kannst in der Welt keine Spuren hinterlassen, wenn du keinen Raum beanspruchst!

Text im Original von Dianne Sylvan, September 2011: http://diannesylvan.com/?p=1358 – übersetzt von Neelke Wagner.

Die Übersetzung ins Deutsche erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Vielen Dank an Dianne und an Neelke!

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