Mieses Karma von David Safier

Eine Buchkritik von Jennifer Golemis und Malena Glück
David Safier: Mieses Karma

Der »angebliche« Weltbestseller »Mieses Karma« geschrieben von David Safier handelt von einer dünnen Fernsehmoderatorin, die solange wiedergeboren wird bis sie als herzkranke, dicke Frau feststellt, dass ihre Familie ihr Nirwana ist und somit glücklich leben kann.

Das Buch bedient sich vieler Klischees über Dicke. So werden bereits der dicke LKW-Fahrer und seine Familie dazu aufgefordert an Weight Watchers Treffen teilzunehmen, obwohl sie glücklicher sind als sie (die Fernsehmoderatorin Kim Lange) es je war. Selbst als Meerschweinchen würde Frau Lange nicht gerne in solch einer dicken Gesellschaft bleiben. Weiters lebt der dicke Frauenkörper, in den sie hineinschlüpft, in einem Sozialbau, ist von Harz4 abhängig, hat kurz vor ihrem eindringen anscheinend Pizza in sich hineingestopft und kann sich nur mit Mühe und Not bewegen. Zudem wird ihr dicker Körper als verschwitzt, unattraktiv und unbeweglich beschrieben. Einzig und allein das Gesicht wäre ansehenswert und würde einen netten Eindruck hinterlassen.

Der dicke Frauenkörper scheint hier als Strafe eingesetzt zu sein um Frau Lange über ihre Vorurteile über dicke Menschen zu belehren. Ebenso bedienen ihre Arbeitsstellen in einer Imbissbude und des Weiteren als Putzfrau die Vorurteile, denen dicke Menschen täglich ausgeliefert sind. Eine wesentliche Passage, die dickenverurteilend ist, ist jene in der Kim Lange sich als dicke Frau gegen den Skinhead und im Weiteren ihren Chef in der Imbissbude wehrt und damit indirekt unterstellt wird, dass dicke Frauen immer alles erdulden, gutmütig, freundlich und wehrlos sind. Dicken Frauen wird hier ihre Selbstbestimmung abgesprochen, sie werden zum Opfer gemacht – denn Kim Lange, die Protagonistin dieses Buches, ist eigentlich dünn und nur im Körper einer dicken Frau wiedergeboren worden. Und nur weil sie dünn ist im Geiste, hat sie die Kraft sich zu wehren, kann sich selbst behaupten in der Welt. Zudem wird der Eindruck erweckt, dass sich ein Mann mit einer dicken Frau an seiner Seite zu schämen hätte.

Am Schluss diskutiert sie mit Buddha um bei ihrer Familie bleiben zu können und würde sogar als Hund wieder auf die Welt kommen wollen solange sie nur bei ihrer Familie sein kann – sie kommt dann als dicke Frau zur Welt und ihre Familie erkennt sie, obwohl sie in einem dicken Körper steckt. Dicksein wird hier nicht als gut sondern als notgedrungen akzeptiert – denn Hauptsache ich bin wieder bei meiner Familie und lebe heißt nicht, dass ich mit dem Dicksein positiv im Einklang bin.

Die einzig realistisch nachvollziehbare Situation im Buch ist jene in der Kim als dicke Frau im Bus beschimpft und ausgegrenzt wird. Hieran kann man gut erkennen wie dicke Frauen im wahren Leben behandelt werden.

In den Medien wird das Buch als lustig und überaus erheiternd vermarktet – doch mit dem Bewusstsein über Dickendiskriminierung ist es nicht amüsant, sondern vielmehr Spott. Abschließend kommen wir zu dem Schluss, dass ein solches Buch nicht auf die Beststellerliste sollte und nicht empfehlenswert ist. Der literarische Wert eines solchen Werkes ist fragwürdig.

David Safier
Mieses Karma
Hamburg: rororo Taschenbuch, 2010
400 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-499-25475-8

Ein Gedanke zu “Mieses Karma von David Safier

  1. habe dieses buch mit grosser Freude gelesen und kann es wirklich empfehlen – sehr spritzig und gut geschrieben und so viele kleine und grosse Wahrheiten – einfach köstlich…..

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