BRIGITTE: Faul= Dick= Doof?

BRIGITTE / Heft 25 / 2010 / Autorin: Beatrix Gerstberger

FAUL= DICK= DOOF?

Wer Übergewicht hat, muss mit abschätzigen Blicken und Beleidigungen rechnen. Denn Dicksein gilt als Zeichen von Schwäche. Ein Report über Vorurteile, die alltäglich sind – und skandalös.

Annika Büscher heißt in Wahrheit nicht Annika Büscher, weil sie dick ist. Sie will ihren echten Namen nicht nennen, weil sie ohnehin täglich beäugt und seziert und betuschelt und verhöhnt und verachtet wird. Weil sie auch nach mittlerweile ungefähr 20 Diäten in ihrem 40-jährigen Leben nur einmal für eine Zeitspanne von drei Wochen in Größe 40 gepasst hat. Und gefühlte 19 Jahre schon in Größe 50 bis 54 lebt. Annika Büscher sagt, dass sie weiß, wie das funktioniert mit dem Abnehmen. Nämlich gar nicht. Warum sie es trotzdem immer wieder versucht? »Weil ich diese Blicke hasse, die zuerst auf meinen Bauch und dann in mein Gesicht wandern.« Sie weiß, was die anderen über sie denken, weil sie ja selbst gelernt hat, so zu denken: Dick ist gleich willensschwach gleich nur bedingt karrieretauglich gleich ein armes Schwein. Dick ist im besten Fall gemütlich und harmlos. Lange hat Annika Büscher versucht zu ignorieren, wie sie zu sein hat in dieser Gesellschaft, nämlich schlank und attraktiv, eine, die den Arsch hochbekommen hat. Die Summe ihres Lebens: low-fat, low-carb, Entschlackung, Appetithemmer, Fettzellenentleerung, Grapefruit-, Eier-, Steak-, Milchshake-, Muschel-, Friß-die-Hälfte-, Nulldiät. Für mehr Lebensthemen blieb leider kaum noch Zeit. Geschafft hat sie es dennoch nicht, auf Dauer abzunehmen.

Gern wäre sie für die anderen Menschen mehr als die Summe ihrer Speckrollen, sagt sie. »Aber sogar Freunde signalisieren mir, dass Dicksein eine Frage der Schwäche und keine der Wahl ist.« Annikas Hoffnung: »Es endlich zu schaffen, eine selbstbewusste und gelassene Dicke zu sein.« Die Diäten aufgeben und leben. In einer Gesellschaft, die akzeptiert, dass es Menschen gibt, die einen Bauch haben, den sie liebevoll Nougat-Karamell-Hügel nennen und den sie mit Anstand und Würde durch ihr Leben tragen wollen. Die ihre Oberschenkel trotz Hagelschädenoptik im Freibad zeigen und die Kohlsuppe für eine Geschmacksverirrung und nicht für ein wirkungsvolles Diätsüppchen halten – und die trotzdem erfolgreich sind. …

Ganzer Artikel: www.brigitte.de/gesellschaft/politik-gesellschaft/dicksein-1075385

Ein Gedanke zu “BRIGITTE: Faul= Dick= Doof?

  1. Ich versteh zu gut was es für Annika bedeutet Dick zu sein. Selbst litt ich seit meiner frühen Jugend an Übergewicht. Anfang 30 war die Krankheit am fortgeschrittensten, ich wog bei 168cm 110kg. Aber das war auch der Wendepunkt. Mit konsequenter Ernährungsumstellung und Sport, alles unter ärztlicher Aufsicht, konnte ich Normalgewicht erreichen und auch seit 10 Jahren halten. Es braucht einen eisernen Willen und gute Beratung aber ist kein Ding der Unmöglichkeit. Diäten helfen gar nichts. Sport und eine gesunde normale Ernährung, ein Leben lang, sind der Schlüssel. Darum halte ich Annikas Einstellung für falsch und denke nicht dass sie Aufgeben soll. Denn du kannst dich ändern die Menschen werden es für dich nicht tun und dir plötzlich mit Respekt begegnen nur weil sich das wer wünscht.

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